Druckerschwärze
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Medienpartner

Zwei Nachrichten - die schlechte zuerst: Newsblätter werden immer schlechter verkauft und verlieren ihren Wert. Die Jugend informiert sich anders; sie hängt im Netz oder benutzt Nachrichten-Apps. Und jetzt die gute: Wenn diese jungen Leute erst einmal auf den Geschmack gekommen sind, Zeitungen zu lesen, schwinden Vorurteile. Dann betrachten sie die Welt ein Stück weit anders. Sie schauen genauer hin, fragen nach und entwickeln Neugier.

Das ist unsere Erfahrung, die wir bei dem Projekt "Druckerschwärze" gemacht haben. Ein Projekt, dem die Leute der Nürnberger Zeitung zuerst etwas kritisch begegnet sind. Die Zweifel wurden jedoch schnell weggeräumt, als wir die Jugendlichen mit ausländischer Vergangenheit in unserem Büro erlebten. Sie sind nämlich die wahren Könner, wenn es um Themen wie sich Zurechtfinden und Problemlösungen geht. Das zeigt sich in den teils lustigen, teils emotionalen Spielszenen, die mit jeder Serie im TV mithalten könnten. Das zeigt sich aber auch am neu entwickelten Medienformat, wie gesellschaftliche Themen journalistisch begleitet und aufgearbeitet werden können. Am Tag der Vorstellung erscheint im Lokalteil der Zeitung eine Seite, die mithilfe erfahrener Redakteurinnen mit den Jugendlichen entstanden ist. "Und was soll das?", lautet die berechtigte Frage. Nun: Dass die gedruckte Zeitung, die eher die erwachsenen Leute ab 45 Jahren anspricht, plötzlich im Schulhof oder Jugendtreff verbreitet ist, dort mehrfach gelesen und vielleicht sogar mit nach Hause genommen wird, wo bis dahin ein Zeitungsblatt eher nicht zur Kenntnis genommen wurde. Die erfahrenen Zeitungsleser aber lernen, dass die Migranten längst angekommen sind, ihre Kinder sowieso.

Raimund Kirch - Chefredakteur der Nürnberger Zeitung

Jugendgerecht übersetzt von Christoph Tenschert